Harald Glööckler: Der Pompöös-Prinz, der es vom Tellerwäscher zum Mode-Zaren brachte

Harald Glööckler: Der Pompöös-Prinz, der es vom Tellerwäscher zum Mode-Zaren brachte
Harald Glööckler im Steckbrief
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Name | Harald Glööckler (bürgerlich Harald Glöckler) |
| Geboren | 30. Mai 1965 in Zaisersweiher bei Maulbronn (Alter: 61 Jahre) |
| Beruf | Modedesigner und Unternehmer |
| Bekannt durch | Modelabel POMPÖÖS, Teleshopping, Let’s Dance-Jury, Dschungelcamp |
| Label | POMPÖÖS (gegründet 1990) |
| Partner | Dieter Schroth (langjähriger Lebenspartner, Trennung ab 2022) |
| Kinder | Keine |
| Wohnort | Kirchheim an der Weinstraße |
| Markenzeichen | Krone, Strass und Glitzer – „Jede Frau ist eine Prinzessin“ |
Strass, Gold und eine Krone: Harald Glööckler ist die wohl schillerndste Figur der deutschen Modewelt. Mit seinem Label POMPÖÖS, opulenten Roben und einem Auftreten, das niemanden kaltlässt, wurde der Designer zum TV-Star – vom Teleshopping über die „Let’s Dance“-Jury bis ins Dschungelcamp und zu „Promi Big Brother“. Doch hinter dem Glitzer steckt eine der härtesten Lebensgeschichten der Branche: eine Kindheit voller Gewalt, der frühe Tod der Mutter und ein Aufstieg, den ihm niemand zugetraut hätte. Wie aus dem Gastwirtssohn aus Zaisersweiher der „Mode-Prinz“ wurde, warum in seinem Namen zwei Ö stehen und was nach der Trennung von Dieter Schroth kam – hier gibt es den ausführlichen Steckbrief.
Sein Credo begleitet ihn seit den Anfangstagen: „Jede Frau ist eine Prinzessin.“ Aus diesem Satz baute Glööckler ein ganzes Reich aus Kleidern, Schmuck, Tapeten und Fernsehformaten – und wurde selbst zur Marke.

Eine Kindheit ohne Glanz: Die Jahre in Zaisersweiher
Harald Glööckler wurde am 30. Mai 1965 als Harald Glöckler in Zaisersweiher, einem Ortsteil von Maulbronn in Baden-Württemberg, geboren. Seine Eltern betrieben eine Gastwirtschaft, der Vater war gelernter Metzger. Glööckler beschreibt seine Kindheit selbst als traumatische Zeit, geprägt durch seinen gewalttätigen und alkoholkranken Vater. Als er 13 Jahre alt war, starb seine Mutter nach einem Treppensturz. Der Tod wurde offiziell als Unfall eingestuft – Glööckler gibt seinem Vater die Schuld daran. Er brach den Kontakt zu ihm ab und sprach bis zu dessen Tod 1992 kein einziges Wort mehr mit ihm.
Seine Flucht aus diesem Alltag war die Mode: Schon als Jugendlicher nähte er Abendkleider für Bekannte und träumte von Glamour. Sein großes Vorbild war seine Großmutter, die er als „echte Diva“ beschreibt. Nach der Schule absolvierte er eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann im Modekaufhaus Sämann und arbeitete anschließend als Verkäufer in der Herrenabteilung eines Modehauses in Mühlacker. Der Junge aus der Gastwirtschaft hatte ein Ziel – und die Nähmaschine war sein Weg dorthin.
1987: Jeans Garden und die Geburt von POMPÖÖS
Am 30. November 1987 eröffneten Glööckler und sein Lebenspartner und Manager, der Herrenausstatter Dieter Schroth, in Stuttgart das Modegeschäft „Jeans Garden“, in dem zunächst vor allem von Glööckler gestaltete Jeans und Hemden verkauft wurden. Später wurde aus dem Geschäft „Pompöös“ – und 1990 gründeten die beiden ihr eigenes Modelabel unter dem Namen POMPÖÖS. Das Kronenmotiv wurde zum Logo, und Glööckler verdoppelte für seine Marke sogar das Ö in seinem Nachnamen.
1994 veranstalteten sie ihre erste eigene Modenschau im Stuttgarter Neuen Schloss – samt eigenem Song „Pompöös Is My Life“. 1995 traten Glööckler und Schroth sogar als Musikgruppe „Pompöös“ in Fernsehsendungen wie „Arabella“ und der „RTL Nachtshow“ auf. Ein Jahr später eröffnete keine Geringere als Filmdiva Gina Lollobrigida die zweite Schau in der Alten Reithalle, auch Chaka Khan zählte zu seinen Kundinnen. 1997 folgte eine Einladung zur Messe Interstoff Asia nach Hongkong. Doch der Weg blieb steinig: Nach einem Streit mit einem stillen Teilhaber musste das Stuttgarter Geschäft 1998 schließen. Glööckler machte weiter – mit einer eigenen Kunstgalerie und der Eröffnungsshow der Düsseldorfer Modemesse CPD. Im Jahr 2000 zog er nach Berlin, wo er 2002 für die Weihnachtsrevue „Jingle Bells“ im Friedrichstadt-Palast rund 350 Kostüme entwarf. 2003 erhielt er den von der Boulevardzeitung B.Z. verliehenen Preis „Berliner Bär“ – der Junge aus Zaisersweiher war in der Hauptstadt angekommen.
Der Teleshopping-König und seine Lizenzwelt
Der große kommerzielle Durchbruch kam über einen Kanal, den in der Modewelt damals niemand ernst nahm: das Teleshopping. Ab 2004 verkaufte Glööckler seine Mode live bei HSE24 – anfangs nur Kleidung, später auch Heimtextilien und Einrichtungsgegenstände, die er selbst präsentierte. Seine extravertierten Auftritte machten ihn bundesweit bekannt. 2008 folgten Sendungen bei QVC in Großbritannien, 2009 in Japan, und ab Januar 2011 stand er bei QVC Deutschland unter Vertrag, wo seine Verkaufssendungen bis 2015 liefen.
Parallel baute er eine regelrechte Lizenzwelt auf: eine Schmuckkollektion für Lidl (2011), Damenmode für den Versandhändler bonprix (2012), eine eigene Tapetenkollektion, die Leuchtenlinie „Glööckler by Eglo“ (2014) und Servietten für Duni (2015). Glööckler war plötzlich überall – vom Kleiderschrank bis ins Esszimmer. Dabei engagierte er sich auch: 2004 ließ er sich für die Tierschutzorganisation PETA mit dem Motto „Tiere tragen Pelz, Menschen tragen Mode“ ablichten, und 2009 rief er den mit 5.000 Euro dotierten Harald Glööckler Angel Award ins Leben, mit dem er jedes Jahr Frauen für Menschlichkeit und soziales Engagement ehrt.
Vom Laufsteg ins Fernsehen: Let’s Dance, Dschungelcamp & Promi Big Brother
Das Fernsehen entdeckte den Designer auch jenseits der Verkaufssendungen: 2010 und 2011 saß Glööckler als permanentes Jurymitglied in der RTL-Tanzshow „Let’s Dance“ – und fiel dort nicht nur mit seinen Urteilen auf, sondern auch mit Strasssteinen im Gesicht und Kleidern aus seiner eigenen Damenkollektion. 2012 zeigte VOX die Dokumentation „Herr Glööckler zieht um“, danach die Personality-Doku „Glööckler, Glanz und Gloria“. 2016 war er Juror bei „Curvy Supermodel“ auf RTL II.
Für ein Comeback der besonderen Art sorgte er Anfang 2022: Im Dschungelcamp („Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“) kämpfte sich Glööckler bis ins Halbfinale und belegte den vierten Platz – Glitzer hin oder her, der Mode-Prinz bewies Durchhaltevermögen. 2023 und 2024 suchte er in seiner eigenen Sendung „Herr Glööckler sucht das Glück“ (RTL Zwei) nach einem neuen Lebensabschnitt. Seit Oktober 2024 sitzt er in der Jury von „My Style Rocks“ – seine temperamentvollen Ausbrüche dort wurden zu Memes und millionenfach auf TikTok geteilt. Und 2025 krönte er seine Reality-Karriere mit dem zweiten Platz bei „Promi Big Brother“. Auch 2027 geht es weiter: Dann ist er in der Sat.1-Show „Promis unter Palmen“ zu sehen. Selbst im Kino war er schon zu Gast: 2015 spielte er in der Kinderfilm-Fortsetzung „Fünf Freunde 4″ mit.
Was viele nicht wissen: Glööckler ist auch bildender Künstler. Seine Gemälde im Stil des abstrakten Expressionismus kombinieren klassische Rokoko-Rahmen mit kraftvollen Farben. 2017 gestaltete er eine Grafik für die Schmuckschuber-Edition der Lutherbibel, und für die Jakobuskirche im südbadischen Rümmingen entwarf er ein Kirchenfenster, das 2022 eingeweiht wurde. Auch als Autor ist er fleißig: Auf Bücher wie „Jede Frau ist eine Prinzessin“ (2012) und „Fuck you, Brain!“ (2017) folgten weitere Werke bis hin zu seiner Autobiografie.
Privatleben: Dieter Schroth, das Château Pompöös und ein neues Kapitel
Über 35 Jahre lang waren Harald Glööckler und Dieter Schroth ein Paar – privat wie geschäftlich. Schroth war Lebenspartner, Manager und Mitgründer von POMPÖÖS. Am 11. Februar 2015 gingen die beiden eine eingetragene Lebenspartnerschaft ein, ab Juli 2015 lebten sie in Kirchheim an der Weinstraße, wo Glööckler sein „Château Pompöös“ bezog. Doch 2022 trennte sich das Paar räumlich, im Februar 2023 beantragte Glööckler die Aufhebung der Lebenspartnerschaft – das Ende einer der längsten Partnerschaften der deutschen Modebranche.
Danach lebte Glööckler zeitweise wieder in Berlin, inzwischen ist er nach Kirchheim an der Weinstraße zurückgekehrt. Offen spricht er auch über seine zahlreichen Schönheitsoperationen: Nach eigener Schätzung (2024) investierte er rund 600.000 Euro in sein Aussehen. 2024 veröffentlichte er seine Autobiografie „Desaströös bis POMPÖÖS“, in der er schonungslos auf Kindheit, Karriere und Trennung zurückblickt. Der Mann, der aus jeder Frau eine Prinzessin machen will, hat sein eigenes Märchen längst neu geschrieben.
Zu seinem Leben gehört auch eine ruhige, spirituelle Seite: Glööckler beschreibt sich als gläubigen Christen, der regelmäßig betet und in der Bibel liest – auch wenn er aus der Kirche ausgetreten ist und seine Spiritualität frei und mit esoterischen Elementen lebt. Inzwischen betätigt er sich zudem als Lifecoach. Und dann ist da noch sein treuester Begleiter auf vier Pfoten: Seinem Hund Billy King widmete er 2013 sogar ein eigenes Buch. Hinter all dem Strass steckt eben auch ein Mann, der nach schweren Anfängen seinen eigenen Frieden gesucht – und auf seine pompööse Art gefunden hat.
Fazit: Der Prinz, der sich selbst gekrönt hat
Harald Glööckler ist der Beweis, dass Herkunft kein Schicksal ist: Aus einer Kindheit voller Gewalt und Trauer arbeitete er sich mit Nadel, Ehrgeiz und einem unerschütterlichen Glauben an Glamour ganz nach oben – vom Verkäufer zum Mode-Zaren mit eigenem Schloss, eigenem Label und einer TV-Karriere, die vom Teleshopping bis zu „Promi Big Brother“ reicht. Man kann seinen Stil übertrieben finden – übersehen kann man ihn nicht. Und genau das war immer der Plan des Pompöös-Prinzen. An Ruhestand denkt er auch mit über 60 nicht: Die Krone sitzt, der Strass glitzert – und die nächste Bühne wartet schon.
Mehr über deutsche Mode-Stars und Reality-TV gibt es auf Tagzen. Die komplette Karriere im Detail auf Wikipedia.



