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In Trümmern übernahm Rudolf Beiswanger das Theater

Rudolf Beiswanger

Als Hamburg 1945 in Trümmern lag, brauchte sein berühmtestes Volkstheater einen neuen Anfang – und Rudolf Beiswanger war der Mann, der ihn wagte. Der Schauspieler, Hörspielregisseur und Intendant übernahm nach dem Zweiten Weltkrieg die Leitung des Ohnsorg-Theaters und prägte das Haus für Jahrzehnte.

Von Helgoland ans Ohnsorg-Theater

Nach seiner Schauspielausbildung erhielt Rudolf Beiswanger sein erstes Engagement am Kurtheater Helgoland. Danach wurde er ans Hamburger St.-Pauli-Theater verpflichtet. In den 1930er Jahren kam er zu Richard Ohnsorg als Schauspieler an das Ohnsorg-Theater, das damals noch „Niederdeutsche Bühne Hamburg“ hieß. Vor dem Kriege war er mehrere Jahre auch als Hörfunksprecher bei der Nordischen Rundfunk AG (NORAG) und deren Nachfolger, dem Reichssender Hamburg, tätig.

Intendant in schwerster Zeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Rudolf Beiswanger als Intendant bis 1949/50 die Leitung des Hauses, weil Ohnsorg auf Druck der britischen Militärregierung diese Aufgabe abgeben musste. Ulf-Thomas Lesle hat die Verdienste Beiswangers als Intendant gewürdigt: Er habe mit „einem mutigen Spielplan, mit hoch- und plattdeutschen Stücken“ versucht, diese Bühne „von der drückenden Last“ völkischen Denkens zu befreien, das sich dort „von Anfang an eingenistet hatte“.

Autor, Sprecher und Regisseur

1940 erschien sein Theaterstück „Du…!“, das an seiner Bühne uraufgeführt wurde. Das Zwei-Personen-Stück spielt am Ende des Dreißigjährigen Krieges und handelt von zwei jungen Menschen, die sich zufällig in einer Kate treffen und nach den Wirren des langen Krieges ein gemeinsames Leben in der anbrechenden Friedenszeit aufbauen wollen. Zehn Jahre später wurde das Stück unter der Regie von Hans Freundt für den Hörfunk adaptiert und vom NWDR Hamburg am 30. September 1950 erstmals ausgestrahlt. Die Sprecher waren Beiswanger selbst und Heidi Kabel. Ende der 1940er wurde das Ensemble des Ohnsorg-Theaters für den Hörfunk entdeckt. Es war in zahlreichen, zumeist mundartlichen Hörspielen zu hören. Rudolf Beiswanger trat als Sprecher und auch als Regisseur in Erscheinung. Seit 1955 gehörte er auch zu den Darstellern der Kurzhörspielreihe „Neues aus Waldhagen“, die im Rahmen des Schulfunkprogramms des NWDR Hamburg und später des NDR ausgestrahlt wurde, um soziale Inhalte zu vermitteln.

Vor der Kamera

Auch vor der Kamera blieb Rudolf Beiswanger präsent: Er spielte unter anderem in „Klein Erna auf dem Jungfernstieg“ (1969), in der Fernsehserie „Kapitän Harmsen“ (1969–1970), in „John Glückstadt“ (1975) und in der Fernsehserie „Kümo Henriette“ (1979). Dazu kamen Auftritte in „Tatort“-Folgen wie „Blechschaden“ (1971), „Nachtfrost“ (1974) und „Wenn alle Brünnlein fließen“ (1983). 1982 erhielt er den Fritz-Stavenhagen-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung.

Der Mann, der das Theater neu erfand

Die Geschichte von Rudolf Beiswanger ist mehr als eine Schauspielerbiografie: Sie ist die Geschichte eines Hauses, das nach dem Krieg erst einmal wieder lernen musste, was es sein wollte. Beiswanger stellte sich dieser Aufgabe in den schwersten Jahren, als Hamburg noch in Trümmern lag und niemand wusste, ob das plattdeutsche Volkstheater überhaupt eine Zukunft hatte. Dass das Ohnsorg-Theater später zum bundesweiten Straßenfeger wurde, begann mit dem mutigen Spielplan dieses Intendanten der Stunde Null.

Steckbrief: Rudolf Beiswanger

DetailInfo
NameRudolf Beiswanger
Geboren22. Februar 1903, Altona
Gestorben12. Oktober 1984, Hamburg
Bekannt alsSchauspieler, Hörspielregisseur, Intendant
TheaterOhnsorg-Theater (Intendant 1945–1949)
TV/FilmeTatort, Kümo Henriette, Kapitän Harmsen
FamilieNicht öffentlich dokumentiert
BesonderheitAutor des Stücks „Du…!“, Fritz-Stavenhagen-Preis 1982

Häufige Fragen zu Rudolf Beiswanger

Was war Rudolf Beiswanger am Ohnsorg-Theater?

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm er als Intendant bis 1949/50 die Leitung des Hauses, weil Richard Ohnsorg diese Aufgabe auf Druck der britischen Militärregierung abgeben musste.

Was ist das Theaterstück „Du…!“?

Ein Zwei-Personen-Stück von Rudolf Beiswanger aus dem Jahr 1940. Es spielt am Ende des Dreißigjährigen Krieges und handelt von zwei jungen Menschen, die nach dem Krieg ein gemeinsames Leben aufbauen wollen. 1950 wurde es vom NWDR als Hörspiel mit Beiswanger selbst und Heidi Kabel ausgestrahlt.

In welchen Fernsehserien spielte Rudolf Beiswanger?

Unter anderem in „Kapitän Harmsen“ (1969–1970), „Kümo Henriette“ (1979) und in mehreren „Tatort“-Folgen.

Welchen Preis erhielt Rudolf Beiswanger?

1982 erhielt er den Fritz-Stavenhagen-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung.

Fazit

Rudolf Beiswanger war Schauspieler, Autor, Sprecher, Regisseur und Intendant – aber vor allem war er der Mann, der das Ohnsorg-Theater durch seine dunkelste Stunde führte. Sein mutiger Spielplan befreite die Bühne von ihrer Vergangenheit und legte den Grundstein für alles, was danach kam.

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