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Bürgermeister-Onkel war Walter Scherau in Hamburg

Walter Scherau

Jeder in Hamburg kannte ihn unter einem Namen, der gar nicht seiner war – denn Walter Scherau hieß mit bürgerlichem Namen Walter Voscherau. Der Volksschauspieler wurde am Hamburger Ohnsorg-Theater zu einem der großen Publikumslieblinge und war zeitweise sogar Geschäftsführer des Hauses.

Zwei Brüder, eine Bühne

Walter Scherau und sein Bruder Carl hatten früh den Drang zur Bühne: Carl nahm Schauspielunterricht bei Franz Kreidemann, Walter hatte einen ansprechenden Bariton und nahm Gesangsunterricht. Sie spielten gemeinsam als Volksbühnenspieler in den damals verbreiteten Theatervereinen, insbesondere der Arbeiterbewegung: Volksspielbühne Thalia, Volksspielbühne Club Concordia, Volksspielbühne „Rideamus“ und auch Richard Ohnsorgs „Niederdeutsche Bühne e. V.“. Die Aufführungen begannen etwa 1919 und setzten sich bis 1944 fort. Die Stücke wurden meist im später bombenzerstörten Conventgarten aufgeführt, aber auch in den Volksheimen der Arbeiterbewegung.

Der Künstlername als Ausweg aus der Verwechslung

Den Künstlernamen „Scherau“ nahm Walter Voscherau erst nach dem Krieg an, als beide Brüder sich für den Beruf des Schauspielers entschieden hatten. Beide waren am Ohnsorg-Theater, wo Walter auch Kassierer beim Verein und Verwaltungsdirektor beim Theater war. Da beide Voscherau hießen, kamen die Leute mit den Namen durcheinander. Um das zu umgehen, nannte sich Walter fortan nur noch Scherau. Carl wurde 1946/47 allerdings bald von Willy Maertens an das Hamburger Thalia Theater berufen. Danach hatte sich das mit dem Verwechseln erledigt.

Publikumsliebling am Ohnsorg-Theater

Walter Scherau war in mindestens 16 Fernsehaufzeichnungen aus dem Ohnsorg-Theater zu sehen und gehörte mit Heidi Kabel, Otto Lüthje und Henry Vahl zu den Publikumslieblingen. Er wirkte weiterhin in drei deutschen Spielfilmen und einigen Fernsehproduktionen mit. Zeitweilig war er Geschäftsführer des Theaters. Scherau war der Bruder Carl Voscheraus sowie Onkel des späteren Hamburger Bürgermeisters Henning Voscherau und dessen Bruders Eggert Voscherau. Er liegt auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg begraben.

Ein Name, der blieb

Die Geschichte von Walter Scherau zeigt, wie aus einer praktischen Notlösung eine Marke wurde: Der Name, den er nur annahm, damit ihn niemand mit seinem Bruder verwechselte, steht heute in jeder Chronik des Ohnsorg-Theaters. Ohne den Krieg, ohne die Bomben auf den Conventgarten und ohne die doppelte Namensführung wäre aus Walter Voscherau vielleicht nie Walter Scherau geworden – und Hamburg hätte einen seiner liebsten Volksschauspieler nie unter dem Namen gekannt, unter dem er berühmt wurde.

Steckbrief: Walter Scherau

DetailInfo
NameWalter Scherau (geb. Walter Voscherau)
Geboren10. Januar 1903, Hamburg
Gestorben12. Mai 1962, Hamburg
Bekannt alsVolksschauspieler, Publikumsliebling
TheaterOhnsorg-Theater (zeitweise Geschäftsführer)
TV/FilmeMindestens 16 Ohnsorg-TV-Aufzeichnungen, drei Spielfilme
FamilieBruder Carl Voscherau; Neffen Henning und Eggert Voscherau
BesonderheitKünstlername erst nach dem Krieg angenommen

Häufige Fragen zu Walter Scherau

Warum hieß Walter Scherau eigentlich anders?

Mit bürgerlichem Namen hieß er Walter Voscherau. Den Künstlernamen „Scherau“ nahm er erst nach dem Krieg an, damit man ihn nicht mit seinem Bruder Carl verwechselte, der ebenfalls Voscherau hieß und ebenfalls am Ohnsorg-Theater spielte.

Wer war der Bruder von Walter Scherau?

Carl Voscherau, ebenfalls Schauspieler, Hörspiel- und Synchronsprecher. Er wurde 1946/47 von Willy Maertens an das Hamburger Thalia Theater berufen.

In wie vielen Fernsehaufzeichnungen war Walter Scherau zu sehen?

In mindestens 16 Fernsehaufzeichnungen aus dem Ohnsorg-Theater. Dazu kamen drei deutsche Spielfilme und einige Fernsehproduktionen.

War Walter Scherau mit dem Hamburger Bürgermeister verwandt?

Ja. Er war der Onkel von Henning Voscherau, dem späteren Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, und dessen Bruder Eggert Voscherau.

Fazit

Walter Scherau war mehr als ein Name auf einem Theaterzettel: Er war Arbeiterbühnenspieler, Bariton, Kassierer, Verwaltungsdirektor, Geschäftsführer und Publikumsliebling in einer Person. Dass er heute unter einem Namen erinnert wird, den er sich nur aus praktischen Gründen zulegte, macht seine Geschichte umso schöner.

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